Wer ist Stuttgart?

Wer ist Stuttgart? Und was bedeutet das für die Menschen, die hier leben? Zwischen 2008 und 2011 setzte sich der Stuttgart Salon diese Fragen zum Thema, überzeugt, dass wertschätzende Gespräche Menschen motivieren, Ideen und Engagement zu verbinden. Der Stuttgart Salon ist eine Initiative, ein Engagement und ein Format von curious minds und zeigt, wie Lernen stattfinden kann.
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Mittwoch, 23. Mai 2012

Bürgerbeteiligung top down oder bottom up?


Gestern war ich auf dem Kongress für Beteiligung. Positiv aufgefallen sind mir dabei die Beiträge von Professor Klaus Selle aus Aachen und Dr. Konrad Hummel aus Mannheim. Der Vortrag von Prof. Selle wird vermutlich in der Dokumentation enthalten sein, die irgendwann auf der Website verfügbar gemacht wird? Er skizzierte sehr treffendend den aktuellen Zustand der Bürgerbeteiligung. Dr. Hummel hingegen konnte aufzeigen, wie eine gelungene Einbindung der Menschen in die Stadtentwicklung aussehen kann: In Mannheim wurde zur Konversion großer Flächen die Bevölkerung aktiv abgeholt und in die Entwicklungen eingebunden.

Was mir insgesamt auffällt, ist das viel darüber diskutiert wird, wie Bürgerbeteiligung gestaltet werden kann, jedoch immer aus der Perspektive der Politik / Verwaltung. (top down) Doch ist Bürgerbeteiligung oder Bürgerschaftliches Engagement nicht etwas, was sich verordnen lässt. Sollte nicht auch darüber nachgedacht werden, welches Umfeld geschaffen werden kann, um auch nicht kanalisiertes Bürgerschaftliches Engagement (bottom up) zu unterstützen? Und welche Schnittstellen zwischen Bürgern, Politik, Verwaltung und Wirtschaft prinzipiell sinnvoll wären, unabhängig von konkreten Projekten.

Ganz entscheidend hierbei ist die Raumfrage. Wo können (Großgruppen)veranstaltungen und Treffen regelmäßig und kostenlos stattfinden? Wie kann die Kommunikation zwischen den Spielern erleichtert werden?

Menschen, die ein hohes Interesse daran haben, ihre Stadt attraktiv zu gestalten, können nur ein Mehrwert für die Stadt sein.

Einfache Rechnungen greifen hier meines Erachtens zu kurz. Es geht nicht darum, reine wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund zu stellen, und es geht auch nicht darum, diese vollkommen zu ignorieren. Was fehlt ist der ganzheitliche Blick für Vorteile und Nachteile und die jeweiligen Kosten, die sich aus Szenarien ergeben – aber weiter gedacht als bis zur eigenen Nasenspitze. Die Politik und die Verwaltung, auch die Wirtschaft sind teilweise zu langsam im Begreifen notwendiger Änderungen. Eine aus wirtschaftlicher Sicht schlechtere Lösung kann auf den zweiten Blick und die lange Sicht viel sinnvoller für das gesamte Ökosystem der Stadt sein. Wir brauchen meines Erachtens wieder mehr Robustheit und Redundanz und weniger Effizienz und Profitdenken. Hinweise hierzu können die Menschen viel besser liefern, weil sie nach Sinnhaftigkeit und Langzeitwirkung fragen, weil wir doch alle einfach gut leben wollen.

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