Wer ist Stuttgart?

Wer ist Stuttgart? Und was bedeutet das für die Menschen, die hier leben? Zwischen 2008 und 2011 setzte sich der Stuttgart Salon diese Fragen zum Thema, überzeugt, dass wertschätzende Gespräche Menschen motivieren, Ideen und Engagement zu verbinden. Der Stuttgart Salon ist eine Initiative, ein Engagement und ein Format von curious minds und zeigt, wie Lernen stattfinden kann.
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Sonntag, 23. Dezember 2012

Beobachtungen und gute Wünsche

Als es mir zu dumm wurde, verordnete ich mir Abstand. Physisch und mental. Man bekommt zwar nicht mehr alles mit, merkt aber dafür auch, dass Vieles in den Nachrichten und der Politik als Unterhaltungskaugummi dient und man nach 2 Monaten der Abwesenheit durchaus den Anschluss sofort findet. Mit diesem Abstand reflektiere ich die Entwicklungen in Stuttgart wieder gerne.

Man könnte meinen, Bürgerbeteiligung in Stuttgart sei wie Parteipolitik: Man soll sich andienen, Ellenbogen haben, laut und penetrant sein. Denn Bürgerbeteiligung kann nicht jeder, sondern nur die, die es wissen oder es sich verdient haben. Und Bürgerbeteiligung kommt nur dort in Schwung, wo es genug Geld gibt, die Grundsicherung der nötigen Infrastruktur und Organisation zu betreiben. Kooperation ist ein seltenes Pflänzchen und Unvoreingenommenheit oder Vertrauensvorschuss scheint eine Rarität.

Nachdem ich einem Vortrag über die Biologie der Zellkommunikation hörte, überlegte ich, ob wir von unseren Zellen etwas lernen könnten. Billionen von Zellen verstehen es, reibungslos zu kommunizieren, ohne dass es einen Chef gibt, der alles ordnet. Wie genau funktioniert diese Selbstorganisation, die komplexe Vorgänge regelt, ohne mit anderen aneinander zu geraten? Und wie schaffen wir es, den Fokus zu drehen um FÜR etwas zu sein und nicht GEGEN? Denn auch das ist ja inzwischen bekannt. Wenn man nicht an einen rosa Elefanten denken soll, kann man nicht anders, als genau das zu tun. Wohin führt uns also das „Dagegen“, egal, worum es geht?

Brauchen wir tatsächlich eine Organisation der Bürger, die gegen die Entscheidungen in Politik und Verwaltung „kämpft“? Oder brauchen wir nicht vielmehr die Politik und die Verwaltung, die ja die Vertreter der Bürger sind(!), die sich „unters Volk mischen“ und aktiv zuhören, was die Menschen bewegt?

Würde es nicht ein großer Raum tun, der den Bürgern und Gruppen für Veranstaltungen zur Verfügung stünde? Und eine Funktion, die jeweils befristet die Organisation hierfür übernimmt. Dann wäre das ein Ort der Begegnung und Zusammenkunft, um zu reden und zuzuhören, sich zu informieren und auszutauschen. Voraussetzung ist eine Stadt, die das trägt und ermöglicht, weil ein echtes Interesse lebt, am Puls der Zeit und am Puls der Bürger zu sein, um daraus Ableitungen für die Entscheidungen zu ziehen. Voraussetzung ist vielleicht auch, das viele professionelle Spektakel und Getue abzulegen, etwas von der heißen Luft rauszulassen und einfach zu reden, aufmerksam zuzuhören und bereit zu sein, zuzugeben, wenn man die Antwort nicht kennt.

Dazu brauchen wir interessante Formate, die Menschen vielfältig zusammenbringen und ein paar unerschütterliche Moderatoren und Moderatorinnen, die auch jene zu Wort kommen lassen, die bisher von ein paar Wenigen angeblichen Basisdemokraten übertönt und untergebuttert werden. Themen gibt es genug.

Wäre es nicht schön, es gäbe so ein Selbstverständnis? Jeder darf in aller Ruhe innehalten, genügend nachdenken und sich dann einbringen. Die Schnellen genauso wie die Bedächtigeren.

Ich wünsche mir vom neuen grünen Oberbürgermeister eine neue Perspektive in Sachen Bürgerbeteiligung und eine breitere Unterstützung der lebendigen Praxis. Ohne professionelles Spektakel und ohne klar abgestimmte Schnittstellen zu spezifischen Projekten. Sondern einen fortlaufenden Lern-Prozess der praktischen Mitmenschlichkeit.

Ich wünsche allen eine ent-hetzte Zeit und beschwingte Feiertage!

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